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Doppelt gefordert - Zwischen Leistungssport und Karriere

Erstellt von NICOLE JAKOBS, MICHAEL STEPHAN | | Allgemein (LSB)

Viele Spitzenathleten starten in ihrem Leben zweimal durch: Sie liefern im Sport und anschließend im Job. Denn hier sind sie ebenso spitze. Der Weg dorthin ist hart – allerdings auch erfolgversprechend.

Wie man es dreht und wendet, der Tag hat 24 Stunden, die Woche sieben Tage. Es lässt sich nicht unendlich viel in diese Zeit hineinpressen. Eine Ausbildung passt da rein. Oder ein Studium. Oder ein Spitzensportlerleben, mit Training, Wettkämpfen, ein bisschen Privatleben. Aber alles zusammen? Fit für den Beruf während des Sportlerlebens?

Der Fuß in der Tür
„Man muss sich konzentrieren können“, sagt Björn Otto, Olympiazweiter 2012 im Stabhochsprung und diplomierter Biologe, mit leichtem Understatement. „Ich habe für das Studium natürlich länger gebraucht als andere. Aber wenn man bei Olympischen Spielen auf dem Podest steht, weiß man, wofür.“ Als Biologe arbeitet Otto allerdings nicht. Momentan absolviert er seine Pilotenausbildung. Was danach kommt – mal sehen. „Sicher kriege ich erst mal nicht den Traumjob. Aber einen Prozess durchzumachen habe ich im Sport gelernt.“ Und noch etwas betrachtet er nüchtern: das Gehalt. „Mit Olympiamedaille verdient man keinen Euro mehr.“ Womit Otto möglicherweise nicht ganz richtig liegt. Zumindest einer Studie der Uni Düsseldorf in Zusammenarbeit mit der Deutschen Sporthilfe zufolge verdienten ehemalige Top-Athleten durchschnittlich monatlich 700 bis 800 Euro mehr als die Nicht-Athleten der Vergleichgruppe. Sportler, die die Weichen frühzeitig stellen, gewinnen.

Den richtigen Weg finden
„Die Suche der Athleten nach dem richtigen Weg danach ist stark ausgeprägt“, meint der ehemalige Eisschnellläufer Christian Breuer, „ich muss während der aktiven Zeit schon den Fuß in der Tür haben, damit ich am Ende der Karriere nicht bei Null anfange.“ Der gebürtige Krefelder war lange Athletensprecher beim DOSB – und hier in besonderem Maße mit der „Dualen Karriere“ betraut. Doch trotz aller Unterstützung durch den organisierten Sport: Die Entscheidung für ein bestimmtes Studium, einen bestimmten Weg, kann einem niemand abnehmen. Breuer meint sogar: „Der Sportler sollte sich nicht nur auf sein größtes Talent – den Sport - konzentrieren. Denn sonst steht der irgendwann im Weg.“

Spitzensportler bekommen nichts geschenkt
Andererseits fördert der Sport Charaktereigenschaften wie Ehrgeiz, Ausdauer und Leistungsbereitschaft, die auch im Beruf wichtig sind. Ähnlich sieht das der frühere Schwimm-Olympionike Christian Keller. Heute arbeitet der Essener als Bankkaufmann und berät solvente Kunden zum Thema Geldanlage. Die Ausbildung hat er während seiner aktiven Zeit absolviert, gestreckt von zwei auf drei Jahre. Das gelang nur durch maximales Engagement und Strukturiertheit.Auch ehemalige Spitzensportler bekommen nichts geschenkt: „Der Athlet muss im Job absolut liefern.Der Sport ist eventuell ein Türöffner, aber ehemaliger Ruhm ist im Job nicht nachhaltig. Das Unternehmen handelt
nach dem Prinzip des Shareholder Value:

AUCH Topathleten müssen ABLIEFERN
Es wird nur jemanden einstellen, der Mehrwert für das Unternehmen bringt.“ „Mehrwert“ bringen die ehemaligen Spitzensportler mit: ihre speziellen Fähigkeiten wie Zielorientierung, Fokussierung, Disziplin. Aber niemand ist perfekt. Der Job als stete
Herausforderung – das kennzeichnet auch Sportler im Beruf. Britta Heidemann, hochdekorierte Degenfechteri und Unternehmensberaterin mit Schwerpunkt China: „Als Spitzensportler lernt man vieles: die Begeisterung am Weg zu einem Ziel, die Neugierde für Neues, das Annehmen von Herausforderungen, der Umgang mit Niederlagen, die Ehrlichkeit mit sich selbst.“ Im Fechten speziell gehe es darum, sich einem Gegner im Duell zu stellen. „Da kämpft man häufig mehr mit sich selbst als mit seinem Gegenüber. Das kenne ich nur zu gut auch aus dem ‚normalen‘ Leben.“ Doch um aus einem erfolgreichen Sportler einen erfolgreichen Berufstätigen zu machen, braucht es auch strukturelle Rahmenbedingungen. Wie die Duale Karriere. So kann der Sportler zum Beispiel an einer „Partnerhochschule des Spitzensports“ sein Studium absolvieren, die besondere Flexibilität garantiert. „Ich habe Regionalwissenschaften Chinas an der Uni Köln studiert. Es war nicht einfach, Sonderregelungen mit den Dozenten zu finden“, erinnert sich Britta Heidemann, „vor allem die Pflichtanwesenheitszeiten haben mir immer wieder Probleme bereitet: Man durfte zweimal unentschuldigt fehlen, aber nicht dreimal entschuldigt.“

Ihr Fazit: „Die Zeit an der Uni hat mich viele Nerven gekostet, aber es hat mich auch stärker gemacht. Ich war unheimlich stolz, als ich mein Diplom in der Tasche hatte!“ Nun möchte nicht jeder Spitzensportler studieren, sondern vielleicht lieber eine Ausbildung machen. „Leider gibt es da keine Rahmenvereinbarungen“, bedauert Detlef Gerber, Referatsleiter Leistungssport beim LSB. „Das ist mit den Arbeitgeberverbänden landesweit nicht möglich.“ Doch er denkt weiter: „Die Stadt- und Kreissportbünde sollen einbezogen werden, um gemeinsam mit den Kammern Ausbildungsbetriebe zu finden, die unsere Sportler unterstützen.“ Sie haben es verdient!

Bild: (C) DPA

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