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Ab ins Grüne!


Zu Wasser, in der Luft, auf der Erde. Hier sind sie in ihrem Element: "Natursportler". Doch wie passen Sport und Umwelt zusammen? Gut! Wenn Grenzen geachtet und gegenseitige Interessen berücksichtigt werden.

Dunst  liegt  noch über den Feldern und die Sonne schimmert erst am Horizont. Doch Johanna Rohde und ihr Wallach Capt`n Jack sind bereits unterwegs. Gedämpft durchdringt der Hufschlag die Stille, das Leder  des Sattels knarzt. Ein Greifvogel überquert das Paar, Capt`n Jack schnaubt. Die Sportlerin vom Reitverein Warendorf ist mit sich und der Welt im Einklang. „Ich empfinde ein Gefühl von Freiheit,“ schwärmt sie, „ich kann die Seele baumeln lassen.“ Von Glücksmomenten wie diesen berichten viele „Natursportler“. Ganz gleich, ob sie ihrer Leidenschaft auf der Erde, zu Wasser oder in der Luft frönen. Dabei kann es zu kuriosen Begegnungen kommen, wie Hans-Herrmann Hante, Chefausbilder des AERO CLUB NRW, weiß. „Einmal kreiste ich plötzlich über dem Münsterland inmitten von Flamingos “, erinnert er sich vergnügt. (Dort im Zwillbrocker Venn befindet sich tatsächlich deren nördlichster Brutplatz.) „Vögel haben keine Angst vor Segelflugzeugen und flüchten auch nicht vor uns“, sagt er, „wir nutzen schlicht die gleiche Thermik.“ Dennoch gilt es, bei der Flugplanung zum Beispiel „luftfahrtrelevante Vogelschutzgebiete“ zu berücksichtigen, um Störungen an Rast- und Brutplätzen zu minimieren.

Flamingos im Anflug

Bei all seiner Liebe für die Weite der Lüfte („Manchmal habe ich bis zu 150 Kilometer Sicht“) spricht Hante nicht von der grenzenlosen Freiheit über den Wolken: „Der Luftraum in Deutschland ist stark reglementiert.“ Klaus Kosmalla, Umweltbeauftragter des Clubs, ergänzt: „Wir müssen Luftfahrt-, Naturschutz- und Umweltgesetze beachten. Dabei gehe es nicht nur um die ordnungsgemäße Lagerung von Schmierstoffen in den Flugzeughallen. Der Luftsport gerät immer wieder ins Kreuzfeuer, weil Flugplätze die Tier- und Vogelwelt stören würden. „Da muss man aber genau hinschauen“, sagt Kosmalla, „heutige Plätze haben einen ungemähten Randstreifen, in dem zum Beispiel Rehe äsen. Manche haben Sitzstangen für Greifvögel.Und auf den gemähten Flächen finden Vögel Würmer und Kriechtiere.“ Futter, das sie so in einem agraroptimierten Umfeld nicht überall finden. Entstehen dennoch Konflikte, ist Kosmalla als Vermittler gefragt. So gab es vor einiger Zeit eine Begegnung mit einem roten Milan, der an einem Modellflugplatz gesichtet wurde. „Da bin ich mit einem Ornitologen den Platz abgegangen. Wenn es dann einen  Nistplatz in der Nähe gibt, hat man schon ein Problem.“ Kosmallas Bilanz: „In der Regel können wir Missverständnisse ausräumen und mt allen Beteiligten gütliche Lösungen finden.“

Pferde mit "Mopedschild"

Auch das Glück auf dem Rücken der Pferde hat seine Grenzen. „NRW hatte bisher eine komplizierte Reitregelung mit vielen Verboten. Wir freuen uns, dass im Zuge des neuen Landesnaturschutzgesetzes einiges liberalisiert wurde“, stellt Brigitte Hein, Geschäftsführerin des Pferdesportverbandes Westfalen, fest. Wo ab 2018 Reitverbote ausgesprochen werden sollen, werden die Reitervertreter angehört. „Eine gute Chance, um Probleme zu erkennen und neue Absprachen zu treffen“. Und selbst wenn es anders aussehen mag: „Man darf nicht einfach querfeldein reiten. Wer über ein Stoppelfeld galoppieren will, muss vorher den Bauern fragen“, erläutert Hein. „Und wir sind die einzigen Erholungssuchenden in der Natur, die eine – zweckgebundene – Abgabe zahlen.“ Sichtbar durch eine Plakette am Pferd. „Wie ein Mopedschild...“ Mit dem Geld werden Reitwege angelegt und Schäden beglichen.

Den vollständigen Artikel "Natur nah" von Michael Stephan und Daniela Blobel lesen Sie in der September-Ausgabe der "Wir im Sport".

Bild: Andrea Bowinkelmann