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"Cool: Da ist eine Frau, die sich den Job zutraut"

von links: Daniela Jansen, Gisela Steinhauer, Michaela Werkmann, Claudia Dietzmann, Mona Küppers, Michaela Hares und Anke Feller


Sind ehrenamtliche Führungspositionen für Frauen neben Beruf und Familie eine unattraktive Belastungsprobe? Beim 4. „Frauenpolitischen Salongespräch“ am 06. April 2017 in Mülheim an der Ruhr diskutierten Claudia Dietzmann, Anke Feller, Michaela Hares, Daniela Jansen MdL, Mona Küppers und Michaela Werkmann. Sie alle bringen jahrelange ehrenamtliche Führungserfahrung mit - aber auch im Jahr 2017 ist der Anteil weiblicher Vorsitzender in den Mitgliedsorganisationen des Landessportbundes NRW erschreckend gering. "Nur zehn von insgesamt 123 Mitgliedsorganisationen werden derzeit von Frauen geführt", berichtet Eva Selic, Sprecherin der Frauen im LSB NRW. Sind also Führungspositionen im organisierten Sport möglicherweise nur für Männer attraktiv?

„Frauen lesen Bewerbungen ganz anders als Männer"

Ist es "fünf vor zwölf" für die Gleichstellung in ehrenamtlichen Führungen im Sport? „Nein, ist es nicht“, ist sich LSB-Vizepräsidentin Küppers sicher. In den letzten Jahren habe sich in der Sportlandschaft in NRW einiges getan. Es sei nicht mehr so, dass die Männer seltsam reagieren, wenn eine Frau sich für den Vorsitz bewerben würde – viel mehr komme die Aussage „Cool, da ist eine Frau, die sich den Job zutraut“! Und das ist auch gut für die Atmosphäre in den Unternehmen.

Und gerade hier setzt das Problem an: Viele Frauen trauen sich den ehrenamtlichen Job neben ihres Hauptberufs und der Familie nicht zu. „Frauen lesen Bewerbungen ganz anders: Erfüllen sie nicht alle Kriterien, schrecken sie vor einer Bewerbung zurück – Männern reichen zwei erfüllte Punkte aus, um sich zu bewerben“, so Mona Küppers.

„Die innere Haltung ist immens wichtig“, ist sich Claudia Dietzmann, Geschäftsführende Gesellschafterin Beyer&Wilmer Seminare GmbH, sicher. Sie selbst hat in ihrer Jugend mit dem Ehrenamt begonnen und hat vieles auch für ihren Beruf mitgenommen. Außerdem kommunizieren Männer eher auf der Sach- und Frauen auf der Gefühlsebene. Heißt: Frauen haben Bedenken, dass man nicht mehr gemocht werden könnte, wenn man Kritik äußert – Männer sagen es gerade heraus, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. „Männern ist das auch häufig nicht bewusst“, sagt Daniela Jansen, Ausschussvorsitzende für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation im Landtag NRW.

„Ältere Männer hatten ein Problem mit der jungen Frau als Vorstandsvorsitzende“

Die Erfahrung hat Sportjournalistin Anke Feller zu Beginn ihrer Zeit als Vorstandsvorsitzende bei der Sportstiftung NRW gemacht: „Bei unterschiedlichen Meinungen musste man Klartext sprechen. Aber wenn die Fronten geklärt sind, vergessen Männer diesen Streit dann schnell – sind nicht nachtragend, wie es einige Frauen handhaben.“

Und das Fazit der von WDR-Journalistin Gisela Steinhauer moderierten Runde: Wir sind auf dem richtigen Weg, wenn die Frauenförderung konsequent weitergeführt wird. Die Organisationen müssen den Nerv der Zeit treffen, um die Frauen in den Ehrenämtern nicht zu verlieren, sondern aufzubauen.

Am Rande der Veranstaltung wurde ein Deutschlandfunk-Sportgespräch zum Thema aufgezeichnet.

Die Veranstaltung wird vom Landessportbund NRW und dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport organisiert.

Text: Sinah Barlog
Bilder: Andrea Bowinkelmann