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"In vielen Sportvereinen schlummert noch Potenzial"


Dieses Menü hat es in sich. Beste Zutaten, mehrere Gänge, fein abgestimmt: Das Qualifizierungssystem des Landessportbundes NRW. Dabei muss man nicht alles auf einmal bestellen und kann sogar probieren. Perfekt serviert...

Donnerstag, 16:30 Uhr, Konrad-Henkel-Sporthalle, Düsseldorf. Bei diesen "Gästen" muss man die Augen überall haben: Moritz und Jewgenij liefern sich mit Schaumstoff eine "Klötzchen-Schlacht", Leni weint, weil sie hingefallen ist, Mona steht verschüchtert da und will nicht sagen, was mit ihr los ist. Und Helena sitzt mit Bauchschmerzen auf der Bank: Alltag in der Kindergruppe der Leichtathletikabteilung des SFD´75. Doch "Chefkoch" Torben Schwabe behält die Übersicht, wendet such jedem einzelnen Kind zu, spricht es ruhig und freundlich an. Dann baut der angehende Übungsleiter einen Parcours mit den Kids auf, erklärt Spiele und Übungen, mit denen ihre koordinativen Fähigkeiten gefördert werden - und passt auf, dass alles seinen sportlich richtigen Gang geht. Wie ein alter Hase...

Dabei steckt der schlacksige 17-Jährige noch in der Ausbildung zum "Übungsleiter-C, Breitensport mit dem Profil Kinder und Jugendliche". Das dazu gehörige Basismodul hat er absolviert und dabei viel für sich gelernt: "Am Anfang war da durchaus Respekt, vor so vielen Kindern zu stehen, die mich mit großen Augen anschauen. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass ich mich besser durchsetzen kann." Seiner Souveränität ist anzumerken: "Ich habe grundlegend gelernt, wie man mit Kindern arbeitet, Probleme anspricht und Lösungen findet", sagt er und lobt: "Wir haben unterschiedliche Methoden erlebt, immer praxisbezogen und leicht verständlich."

Das "ÜL-Basismodul" sei eine "erstklassige Vorspeise", erläutert Sportjugend NRW-Referntin Raphaela Tewes schmunzelnd: "Dort werden grundlegende Inhalte der Übungsleiter-C-Ausbildung vermittelt. Richtig spannend wird es beim Hauptgang. Die angehenden Übungsleitungen spezialisieren sich dann gemäß ihrer Interessen und dem geplanten Einsatz im Sportverein."

Geht auch ohne Sherlock Holmes

Für Tewes ist klar: Qualifizierung gehört zum A und O eines modernen Sportvereins. "Ohne gut ausgebildete Übungsleitungen, Trainerinnen und Trainer sind keine hochwertigen Angebote und keine langfristig erfolgreiche Vereinsentwicklung möglich", meint sie, "doch in vielen Sportvereinen schlummert noch Potenzial." Das sieht SFD´75-Geschäftsführerin Andrea Haupt ähnlich: "Es ist ganz wichtig, qualifizierte Übungsleitungen zu haben. Es gibt Eltern und Mitgliedern ein gutes Gefühl. Und es erhöht unseren Stellenwert in der Außendarstellung, weil wir dieses Qualitätsniveau natürlich kommunizieren."

Obwohl viele Sportvereine Übungsleiter suchen, ist Haupt zufrieden: "Wir nutzen die Möglichkeiten im Verein. Dafür braucht man keinen Sherlock Holmes". Die "Akquise" laufe entspannt ab. "Selbst wenn wir ein großer Verein sind, sind wir doch sehr nahe an den Mitgliedern. Unsere Trainer kennen jeden persönlich, wissen privates, und sehen, ob sich da jemand zu einem Engagement hingezogen fühlt." Die- oder derjenige werde dann angesprochen. "Wir bieten ihnen schnell eine Qualifizierung an, viele empfinden das wie einen Ritterschlag. Wir übernehmen die Kosten, weil wir die Person ja binden möchten." So ist auch Schwabe ein "Eigengewächs" des SFD´75.

Den vollständigen Text "Serviert auf dem Silbertablett" von Michael Stephan lesen Sie in der November-Ausgabe der "Wir im Sport".

Bild: Andrea Bowinkelmann