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Per Datenflut zur Höchstform


Im Leistungs- und Profisport geht es nicht mehr ohne, im Breitensport ist es ebenfalls fast Alltag: Die Digitalisierung von Bewegung und Abläufen per App oder Datenerhebung. In einer kleinen Serie geben wir Einblicke in die spannende Welt des "Big Data".

Die Wolken über Essen-Steele hängen tief, Regen durchpeitscht die Luft. Ein roter Fiat passiert Ben Zwiehoff in einer Rechtskurve. Irgendwo in Italien. Pinien am Wegrand, Sonnenschein... Mit einer Leistung von 322 Watt erklimmt der Radprofi gerade eine Steigung von sechs Prozent. Exakt nachzulesen in einer Datenleiste über dem Film, der vor dem 23-Jährigen abläuft. Wie passt das zusammen? "Auf der Rolle", nennen die Radler diese Trainingsform, bei der sich zu Hause vor einem Bildschirm ihr Trainingsprogramm abspulen lässt. Und für Jurastudent Ben ist Steele das Zuhause. Die "Rolle", eine Art "Bremsgenerator" am Hinterrad, erzeugt dabei die entsprechenden Widerstände und ist per App mit dem Bildschirm gekoppelt.

Cycling at Home

"Wenn draußen schlechtes Wetter ist, nutze ich eine App für ein Intervalltraining auf meinem Smartphone, aber manchmal fahre ich auch eine Strecke per gestreamten Video", erzählt der Mountainbike-Europameister. "Zwift" oder "Strava" heißen solche Programme, die in der "Community", auch unter Amateuren, gang und gäbe sind. Sie versprechen "einzigartige Indoor Cycling Erlebnisse". In der Tat ermöglichen die Apps eine Fülle von Daten abzurufen, eigene Ergebnisse zu speichern und mit anderen zu teilen. Selbst virtuelle Rennen sind möglich - in aller Welt...

Dieses Beispiel zeigt, dass Big Data aus dem (Hoch-)Leistungssport nicht mehr wegzudenken ist, nicht nur in der Radszene. So gibt es vergleichbare Datensammlungen vor allem im Laufsport. Für Sportarten wie Judo, Ringen und Boxen existiert zum Beispiel eine "Gegner-App". Mittlerweile werden Analysen von Spiel- oder Bewegungsabläufen in einer Präzision und einem Umfang erstellt, bei dem kein Auge eines Trainers mehr mithalten könnte. Welche Konsequenzen das hat, zeigt ein Projekt im Fußball. Konkret werden dabei Positionsdaten von Spielern und Ball per X/Y-Koordinaten in einen Computer gespeist. Auf dieser Basis erarbeitete ein Forscherteam um Professor Dr. Daniel Memmert (Deutsche Sporthochschule Köln) belastbare Indikatoren, die aufzeigen, warum eine Mannschaft mit höherer Wahrscheinlichkeit gewinnt als eine andere. Natürlich mit Auswirkungen auf die Trainingsgestaltung oder die Bewertung von Spielern.

Spielanalysen per Mausklick

"Die Zeit der Auswertung hat sich dramatisch verringert. Spielanalysen stehen jetzt per Mausklick in Sekunden zur Verfügung", erläutert Memmert, "um die Daten zu interpretieren, haben die Fußballexperten nun wesentlich mehr Zeit." Dazu kommt: "Spieler lassen sich besser vergleichen, das wird den Scoutingmarkt revolutionieren."

Den vollständigen Artikel von Theo Düttmann und Michael Stephan lesen Sie in der Juli-Ausgabe der "Wir im Sport".

Bild: Andrea Bowinkelmann