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Apps als echte Alternative für Trainer?


Es ist ein Megatrend, der auch in die Welt des Sports Einzug gehalten hat. Die Überwachung des eigenen Körpers per Computer oder Smartphone. "Wir im Sport setzt die Serie "Digitalisierung im Sport" mit einem Beitrag über Lauf- und FitnessApps fort.

Andrea Pirkl hat eine. Bettina Pamp kommt nicht mehr ohne. Und auch an Anja Hlacers Handgelenk leuchten digitale Ziffern auf einer besonderen Uhr. "Für mich ist es unvorstellbar, ohne die Uhr zu laufen. Wenn ich sie vergessen habe, gehe ich zurück und hole sie", sagt Anja Hlacer. Und spricht damit auch für die anderen beiden Frauen. Schließlich dokumentiert die Uhr, was die begeisterten Läuferinnen in Training oder Wettkampf geleistet haben.

Gelaufene Kilometer, Herzfrequenz, Schrittzahlen, Höhenmeter, Rundenzeiten, Tempo - der kleine Allesmesser erfasst sämtliche Daten. Die gesammelten Werte übertragen sie nach der Einheit drahtlos an ihr Smartphone. Eine entsprechende App listet dann alles auf. Die drei Mitglieder des Lauftreffs Recklinghausen sind damit in bester Gesellschaft. Denn immer mehr Freizeit- und Breitensportler setzen auf die digitale Unterstützung, um ihr Training oder auch nur die täglich gelaufenen Schritte zu dokumentieren.

Weltweit gingen allein im ersten Quartal 2017 etwa 25 Millionen entsprechende Geräte über die Ladentheke. Auch Apps, die einen Wachbrettbauch oder die Steigerung der Fitness mit nur wenigen Minuten täglich versprechen, haben enorme Download-Zahlen. So tragen viele Freizeitsportler ihren digitalen Coach stets in der Tasche oder am Handgelenk. "Aus sportmedizinischer Sicht ist alles das sinnvoll, was Menschen in Bewegung bringt. Hier gilt der alte Grundsatz: Leben ist Bewegung und Bewegung ist Leben", sagt der Sportmediziner Prof. Dr. Oliver Tobolski. Allerdings berge die Technikgläubigkeit vieler Menschen auch Gefahren: So bestehe das Risiko des Übertrainings mit negativen Begleiterscheinungen wie Überbelastungsschäden am Bewegungsapparat oder einer Beeinträchtigung des Herz-Kreislaufsystems. Tobolski empfiehlt daher vor der Aufnahme der sportlichen Betätigung - insbesondere, wenn man aus der "Bewegungslosigkeit" komme - eine sportärztliche Beratung zu nutzen.

Kritischer Blick

Auch im Referat Breitensport/Gesundheit des Landessportbundes NRW sieht man die Entwicklung kritisch. Vor allem, weil einige Apps als Fitness- und Gesundheitsprogramm daherkommen. „Die Bereiche muss man aber klar voneinander trennen“, sagt Referentin Andrea Hilgert. Außerdem würden zahlreiche Apps Trainingsübungen vorgeben, ohne diese wirklich genau zu beschreiben. Auch die korrekte Ausführung oder die tatsächliche Belastbarkeit des Trainierenden werde von niemandem kontrolliert. So könnten bestimmte Übungen nicht gesundheitsfördernd wie durch die App suggeriert, sondern eher gesundheitsgefährdend  wirken.  Ähnlich  problematisch sieht Hilgert die Schrittzähler. „Diese sind kein probates Mittel, um Gesundheitsförderung zu betreiben. Allein die Schritte zu zählen und vielleicht 10 000 Schritte am Tag zu machen, reicht nicht aus für eine gesunde Lebensführung. Der LSB hat ein viel umfassenderes Gesundheitsverständnis im Hinblick auf Sport und Bewegung“, sagt sie.

Den vollständigen Text "Digitale Fitness" von Jürgen Bröker lesen Sie in der November-Ausgabe "Wir im Sport".

Bild: Andrea Bowinkelmann