Artikel

„Sport ist längst politikfähig geworden“

Erster Bundestag des Landessportbundes NRW am 07.Oktober 1950 in Duisburg.


70 Jahre und kein bisschen leise. Der Landessportbund NRW feiert offiziell am 06. Mai seinen 70. Geburtstag und darf zu Recht behaupten: Er wird gehört in Gesellschaft und Politik.

Wie anders war das doch noch 1947. Süffisant, die Werte und die Bedeutung des Sports missachtend, grantelte Christine Teusch, die NRW-Kultusministerin des 1. Kabinetts von Karl Arnold, im Anschluss an die Forderung ihres Referenten, den Wiederaufbau des Sports finanziell zu fördern: „Was soll schon der Sport – Arme hebt, Arme senkt.“

Das hat sich grundlegend geändert. Davon ist auch Zeitzeuge Johannes Eulering überzeugt. Er gehörte dem LSB bereits 1971 als kooptiertes Mitglied der Landesregierung an, ehe er 1997 zum Vizepräsidenten des Verbandes gewählt wurde. „Sport ist längst politikfähig geworden.“

Will man die Bedeutung des LSB NRW einordnen, so findet man viele Meilensteine, vielfältige Initiativen und Projekte, etwa zur Gesundheitsförderung, zur Integration, zur Umwelt oder zur Förderung von Kindern und Jugendlichen in seiner Geschichte. Als ein besonderes Markenzeichen darf dabei gelten, dass es gelang, gemeinsam mit der Landesregierung den Anforderungen des Breiten- und Spitzensports gerecht zu werden. War es doch der LSB NRW, der als erster Landessportbund nach dem 2. Weltkrieg bereits 1948 das Sportabzeichen wieder eingeführt hatte. Es folgte auf Initiative des LSB der Landtagsbeschluss zum Fünfjahresplan für den Sportstättenbau, vom dem alle Sportinteressierten profitierten.

Dass beides – Breite und Spitze – stets mitgedacht wurde, belegt auch die Zeit ab 1968.  Unterstützt vom LSB NRW setzte NRW-Kultusminister Prof. Fritz Holthoff mit dem „Förderungsplan Leistungssport“ ein Ausrufezeichen (1968). Und schon wenige Jahre später legte die Landesregierung 1975 das  „Aktionsprogramm Breitensport“ auf.

Das alles liegt weit zurück und legte die Grundlagen für das „Heute“. LSB-Präsident Walter Schneeloch schaut in die Zukunft: „Zu unseren größten Herausforderungen zählt die Entwicklung im Breitensport, der noch weiter an Bedeutung gewinnen wird – in welcher Organisationsform auch immer.“ Der Sport habe einfach seine ganz besondere Qualität und neben dem Berufsleben einen herausragenden Stellenwert. Er plädiert deshalb dafür, dass „der Zugang in unsere Sportvereine für alle Generationen in der Regel leicht bleibt und vor allem weiterhin in erheblichem Maße gefördert wird. Denn die von uns als Dachorganisation unterstützte Arbeit in den Vereinen ist und bleibt das Wichtigste.“

Drei Fragen an Johannes Eulering, LSB-Vizepräsident von 1997 bis 2005


Wie ordnen Sie die Rolle des LSB vor 70 Jahren und heute ein?

Der Landessportbund NRW ist – und dabei darf man die Rolle der politischen Schwergewichte der ehemaligen LSB-Präsidenten Willy Weyer und Richard Winkels nicht unterschätzen – eine starke Stimme des Sports in unserem Land. Die Aufgaben sind heute durch den zwischenzeitlich erzielten Bedeutungszuwachs des Sports für das „gute Leben“ der meisten Menschen noch sehr gewachsen.

Welche zentrale Herausforderung sehen Sie für den LSB heute?

Dem LSB ist es in erster Linie aufgegeben, das soziale Kapital des Sports, wie es in den gemeinnützigen und weithin ehrenamtlich geführten Vereinen repräsentiert wird, zu erhalten und weiter zu entwickeln. Angesichts des sprunghaften Wachstums der kommerziell betriebenen Fitness-Studios muss eine zeitgemäße Unterstützung des Ehrenamtes – auch durch eine verstärkte Bildung für den Jugendbereich – hohe Priorität haben. Dazu muss die unentbehrliche Infrastruktur durch Erhalt, Anpassung und bedarfsgerechte Erweiterung der Sportanlagen gesichert werden.

Wie sollte sich der LSB künftig positionieren?

Der Landessportbund NRW muss die bundesweit vernehmbare Stimme des Sports für alle sein, der eine einseitige Orientierung an Medaillen – insbesondere durch die mediale Darstellung - ablehnt und den Sport mit seinen humanen Potentialen in die Zukunft führt.