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Wer rastet, der rostet


Bewegung bedeutet für Hochaltrige und Pflegebedürftige etwas Besonderes. Spaß, Gesellschaft, das Erleben des eigenen Körpers und das Selbstbewusstsein „das kann ich noch“ sind für sie beinahe vergessene Güter. Umso wertvoller, wenn diese wieder aktiviert werden können – wie mit dem jüngsten Modellprojekt BAP.

Wir wissen, dass unsere Leser sportlich sind. Aber kreisen Sie abends beim Fernsehen noch mit den Füßen? Ursula Riefert tut das. Die 93 Jahre alte Dame ist zwar ein Pflegefall. Trotzdem ist sie für ihre Jahre fit, bewegt sich mit dem Stock agil durch ihre Wohnung und kommt an Schränke und heruntergefallene Gegenstände wunderbar selbst heran. Ihre Beweglichkeit und Mobilität verdankt sie dem Bewegungsangebot ihrer Tagespflegeeinrichtung. Jeden Tag verbringt sie hier ihre Zeit mit anderen Senioren – und zu jedem Tag gehört auch eine Dreiviertelstunde Sporteln. Abends geht es mit leichter Bewegung auf dem heimischen Sofa weiter. Wie das geht, haben ihr die Betreuer in der Tagespflege erklärt. 

Frau Riefert gehört zu den ersten BAP-Teilnehmerinnen. BAP bedeutet „Bewegende Altenpflegeeinrichtungen und Pflegedienste“ und ist ein neues Modellprojekt im Rahmen von „Bewegt ÄLTER werden in NRW!“. Das Projekt lotet über drei Jahre hinweg Möglichkeiten aus, wie auch pflegebedürftigen Menschen adäquate Bewegungsangebote gemacht werden können – und zwar im Tandem gemeinsam mit einem Sportverein. Wenn man bedenkt, dass bis 2030 die Zahl der Pflegebedürftigen um etwa 35 Prozent steigen wird, liegt die Sinnhaftigkeit spezialisierter Angebote auf der Hand. Und dass Wohlbefinden, Lebensqualität und Teilhabe keine Frage des Alters oder des Grades an Gebrechlichkeit sein dürfen, steht außer Frage.

Insgesamt 20 Tandems werden schon über das  BAP-Projekt gefördert. Ziel sind 100 neue Bewegungsangebote in Kooperation von Sportvereinen und Pflegeeinrichtungen/-diensten. Für die Zukunft verfolgen die BAP-Projektverantwortlichen nachhaltige Ziele. Die Tandems werden beraten und begleitet, Angebotskonzepte werden gesammelt und erprobt, Qualifizierungsangebote für Pflege-Mitarbeiter und Vereins-Übungsleiter werden konzipiert und Finanzierungsmodelle erarbeitet. All dies fließt in einem Handlungsleitfaden zusammen, der den Vereinen und Einrichtungen zur Verfügung gestellt wird.

Das können die Alten noch


In Solingen, wo Frau Riefert lebt, haben sich der Wald-Merscheider Turnverein und der Friedrichshof Solingen gemeinsam auf den Weg gemacht. Der Friedrichshof als Anbieter von Pflegedienstleistungen profitiert von besten Ausgangsvoraussetzungen. Hier arbeitet nämlich Birgit Knierim in der Seniorenbetreuung von Ursula Rieferts Tagespflege – und sie ist Übungsleiterin für den Rehasport mit Schwerpunkt Neurologie.

Den vollständigen Artikel von Nicole Jakobs lesen Sie in der April-Ausgabe der "Wir im Sport".

Bild: Andrea Bowinkelmann