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„Wir sind im Sportstättenbau vom Weltmeister zum Bezirksligisten geworden“


Sportstätten-Projekte sind sehr oft Kraftakte – besonders in finanzieller Hinsicht. Die Kassen der Kommunen sind leer und Vereine verfügen meistens über geringe finanzielle Mittel. Das bedeutet für die Planung und Durchführung dringend benötigter Neubau-Maßnahmen häufig genauso hohe Hürden wie für Sanierungen und Modernisierungen.

Allerdings stehen in Nordrhein-Westfalen für Investitionen in die Infrastruktur des Sports zur Zeit üppige Fördergelder zur Verfügung. Bund und Land stellen in unterschiedlichen Paketen Mittel und Zuschüsse von insgesamt über vier Milliarden Euro bereit. Eine weitere Geldquelle sind ausgesprochen günstige Darlehen speziell für die Finanzierung von Sportstätten.

Nötig hat der Sport das Baugeld allemal und schon lange. „Wir sind vom Weltmeister zum Bezirksligisten im Sportstättenbau geworden“, klagt LSB-Präsident und DOSB-Vizepräsident Breitensport Walter Schneeloch: „Der Sanierungsstau beträgt bundesweit über 42 Milliarden Euro. Wir muten unseren Schulkindern, unseren Vereinssportaktiven, aber auch breiten Bevölkerungsgruppen zu häufig eine qualitativ unzureichende Sportinfrastruktur zu.“

Auch in NRW. Die Sporthallen im Land sind einer Studie vom Wuppertaler Prof. Hübner zufolge durchschnittlich älter als 40 Jahre, und aus Sicht der Betreiber sind die Mängel an Kernsportstätten sowie Hallen zu 20 bis 40 Prozent „gravierend“ oder wenigstens „nennenswert.“ In Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern gilt das sogar für 80 Prozent. „Aus Sicht des organisieren Sports muss man von einem ganz erheblichen Sanierungsstau sprechen“, meint der zuständige LSB-Referent Achim Haase.

„NRW.Bank Sportstätten“-Finanzierungsprogramm

Besser als die unbefriedigende Situation erscheinen aus seiner Sicht wenigstens die Perspektiven – nicht zuletzt aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten für Zuschüsse und günstige Darlehen der öffentlichen Hände. Von herausragender Bedeutung ist dabei das „NRW.Bank Sportstätten“-Finanzierungsprogramm. Dieser Weg zur Finanzierung nach dem Hausbank-Prinzip ist besonders für Vereine ohne interessant: Kreditnehmer können für Bauprojekte praktisch jeglicher Art im Sportstättenbereich bis zu zehn Millionen Euro zu äußerst niedrigen Zinsen erhalten. Vergleichsweise einfach realisierbar ist diese Variante, weil das Land Nordrhein-Westfalen – ein ordentliches Konzept und eine solide Planung vorausgesetzt - für die Darlehenssumme zu 80 Prozent haftet, bei kleineren Maßnahmen bis zu 200.000 Euro sogar zu 100 Prozent.

LSB NRW und NRW-Sportministerium stufen das vor neun Jahren gestartete Programm, das jeder Verein nutzen kann, gleichermaßen als Erfolg ein. „Seit 2008 sind für insgesamt 608 Maßnahmen durch ein Kreditvolumen von rund 112 Millionen Euro Investitionen von über 205 Millionen Euro aktiviert worden. Das ist ein glänzendes Ergebnis. In der gleichen Zeit haben auch nur vier Vereine die Kreditbelastung nicht mehr tragen können und Insolvenz anmelden müssen“, bilanziert Detlef Berthold aus dem Sportministerium.

Nennenswerte Fördergelder zur Realisierung von Bauvorhaben im Sport bieten darüber hinaus auch die „Sportpauschale“ und Mittel aus zwei Bundesprogrammen, den sogenannten „Kommunalinvestitionsfördergesetzen I und II.“ Über die in Deutschland einzigartige Sportpauschale fließen in NRW jährlich insgesamt 50 Millionen Euro automatisch und zweckgebunden in die Haushalte der Kommunen (ca. 2,70 Euro je Einwohner), die ihre Gelder jedoch auch an Vereine weitergeben können. In Betracht kommen dabei für eine Förderung auch Maßnahmen mit mittelbaren Effekten auf den Sport wie etwa der Bau einer Brücke, wenn dadurch eine Sportstätte besser oder überhaupt erst erreicht werden kann. Wünschenswert ist hier, wie bereits in vielen Kommunen realisiert, eine Abstimmung zwischen der kommunalen Sportverwaltung und der Sportselbstverwaltung über den Einsatz der Mittel.

Den vollständigen Artikel von Dietmar Kramer lesen Sie in der Mai-Ausgabe der "Wir im Sport".

Bild: Andrea Bowinkelmann